Selbstverantwortung macht dir Angst? Verständlich, aber finde dich damit ab!

Das hier soll kein klassisch jammernder Generation Y-Artikel sein, weil ich es selbst leid bin, genau solche Artikel zu ebendiesem Thema zu lesen – Entscheidungsangst, Generation Y, Ambivalenz etc. – ich will versuchen, dieses Buzzword-Bingo so gut es geht zu vermeiden. Denn die Erfahrung, die ich selbst damit gemacht habe hat mir gezeigt: sinnieren darüber mag wunderbar für die eigene Selbstbemitleidung sein, aber es bringt einen keinen Zentimeter weiter.

Autor: Gunnar Knaus

Photocredit: Alexandra Zieger

Wer kennt sie nicht, die unzähligen Artikel über die Millenials, die es so schwer haben, weil sich die Geradlinigkeiten auflösen, die klassischen Lebens- und Erwerbsbiographien keine Gültigkeit mehr besitzen und sich jede_r am besten ständig neu erfinden sollte. Flexibel bleiben, für alles offen sein und ja keine Türe zumachen – wer weiß, was noch kommt. Ja, stimmt alles, das erleben wir immer wieder neu. Nur was bringt uns diese Erkenntnis außer der Tatsache, dass wir mit unseren Problemen nicht alleine dastehen? Ich glaube: gar nichts. Und ich bin es leid darüber zu lesen und zu jammern, da es nichts bringt und mich persönlich nur fertig macht.

Nicht falsch verstehen – ich habe vollstes Verständnis für diesen Unsicherheitszustand und kenne ihn selbst zur Genüge. Aber ich will hier versuchen, Menschen von der Entscheidungsangst wegzuführen und dazu zu ermuntern, Entscheidungen aktiv zu treffen und neues auszuprobieren, denn mit solchen Situationen wirst du dein Leben lang konfrontiert sein. Also weg mit der Angst und her mit der Neugierde.

Sei dir im Klaren, dass du mit deiner Angst nicht alleine bist

Fangen wir vielleicht mit der einzigen Erkenntnis an, die uns Millenial-Artikel liefern können, nämlich, dass es uns allen gleich geht (übrigens nicht nur den Millenials, sondern allen). Wir nehmen diese Dinge immer als individuell wahr und vergleichen uns insgeheim gerne mit jenen, denen es scheinbar leichter damit geht. Jenen mit den I-love-my-job-Hashtags oder den motivierten, kodizes-überschwemmten Instagram-Bildern, die uns vorgaukeln sollen, dass es gerade richtig läuft.

Es mag wirklich die paar Ausnahmen geben, denen eine solche Ambivalenz nichts ausmacht, aber der Großteil blufft hier ganz ordentlich. Zu den größten Bluffer_innen gehören übrigens jene, die mit euch in den Kursen sitzen und ständig etwas ganz Schlaues zu sagen haben. Lasst euch nichts vormachen, alle kochen nur mit Wasser. Und das ist gut zu wissen, denn es kann einiges an Druck wegnehmen.

Du wirst dich entscheiden müssen – das nimmt dir niemand ab

Oft versuchen wir, Entscheidungen so lange wie möglich hinauszuschieben. Meist mit der darauf folgenden Erkenntnis, dass dadurch nichts besser wurde. Es gibt nicht wenige, die beispielsweise ihre Abschlussarbeiten ins Unendliche hinauszögern, weil sie nicht wissen, wie es nach dem Studium weitergehen soll (been there, done that). Das macht es aber nur schlimmer.

Finde dich damit ab, dass du dich entscheiden musst. Es wird dir dein ganzes Leben lang so gehen, dass du vor schwierigen Herausforderungen stehst und um eine Entscheidung nicht herumkommst.

Wenn du etwas machen willst, dann mach‘ es einfach

Wir verschwenden so viele Gedanken an Dinge, die wir gerne machen, ausprobieren oder umsetzen wollen. Und dann machen wir sie nicht. Und ärgern uns, es nicht versucht zu haben.

Vielen von uns wurde in der Kindheit eingetrichtert, dass wenn man etwas beginnt, man auch dabei bleiben muss. Die Idee dahinter, zu lernen, etwas durchzuziehen, ist ja per se auch super, aber es schlägt sich auch auf die kleinen Dinge im Leben nieder. Wenn du Geige lernen willst, dann probier es einfach aus; niemand sagt, dass du dein restliches Leben lang Geige spielen musst. Befrei‘ dich von dem Gedanken des Scheiterns, wenn du mit etwas aufhörst, was dich unglücklich macht. Und probiere neues aus, bis du etwas gefunden hast, das dich richtig glücklich macht.

Wenn dich etwas glücklich macht, dann mach‘ es weiter

Vielleicht der wichtigste Punkt zum Schluss – besonders für jene, denen ständig reingeredet wird, das Falsche zu studieren oder vorzuhaben. Als Soziologiestudent musste ich dieses Gespräch buchstäblich alle heiligen Zeiten aufs Neue führen, weil an den Festtagen die ganze Familie zusammenkommt. Das bedeutete Rechtfertigungen ohne Ende und Unverständnis für die Studienwahl. Die meisten haben übrigens heute noch nicht verstanden, was ich da so tue: einmal wurde ich gefragt, ob denn Wien nicht die bessere Wahl gewesen wäre, wegen dem Tierpark Schönbrunn… Nein, nicht Zoologie – Soziologie!

Ich habe aufgehört mich zu rechtfertigen, und zwar aus zwei Gründen: erstens, weil es mich ärgert, so wenig Vertrauen von den engsten Angehörigen zu erfahren. Und zweitens, weil mich die Wahl meines Studiums glücklich macht und ich mich leidenschaftlich damit beschäftige. Ich bin davon überzeugt, dass, wenn man etwas gerne macht, es die richtige Entscheidung ist. Es stärkt den Willen, sich tiefergehend mit der Materie zu beschäftigen und wirklich gut in dem zu werden, was einem interessiert. Und ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass sich genau das einmal lohnen wird.

Niemand kann dir sagen, welche Entscheidungen, für die letztendlich immer du selbst verantwortlich bist, für dich die richtigen sind. Aber vielleicht können dir diese Zeilen ein wenig die Angst und den Druck nehmen, der geradezu lähmend auf einen wirken kann. Es ist eine prinzipielle Frage der Einstellung und des Vertrauens in dich selbst. Und dieses musst du in dich haben, auch wenn es oft schwer fällt. Aber nur so wirst du aus dem Strudel aus Entscheidungsangst und Lethargie herauskommen.