Kürzung der Wohnbeilhilfe: Schlecht für alle!

ein Kommentar von Oliver Posch, Soziologie-Student an der Universität Graz

Die steirische Landesregierung plant im Zuge der „Wohnbeihilfe neu“ die Wohnbeihilfe für Studierende ohne Stipendium klammheimlich über den Sommer zu streichen (die Kleine Zeitung hat berichtet). Dies betrifft tausende Studierende in Graz.

Die meisten Studierenden fliegen mit Anfang Juli – also dem Ende des Sommersemesters – aus, um Praktika zu machen, arbeiten zu gehen, die Familie einmal wiederzusehen oder Urlaub zu machen. Insofern ist der Zeitpunkt natürlich clever gewählt. „Die Studierenden sind weg und wenn sie im Herbst wiederkommen und die universitäre Sommerpause vorbei ist, ist es das Ganze durch und für Protest ist es dann zu spät“, so etwas oder Ähnliches dürften sich die Damen und Herren der steirischen Landesregierung vermutlich gedacht haben.

Fällt die Wohnbeihilfe?

Gespart muss werden – und wo wird gespart? Bei der Mittelschicht, also einer nicht ganz unwesentlichen Wählerschaft der steirischen SPÖ und ÖVP. Ob dieser Zug klug ist, sei dahingestellt. Die Rechnung wird wohl bei der nächsten Landtagswahl, Gemeinderatswahl, ÖH-Wahl serviert.

Zahlen, die gegen die Kürzung sprechen

Verdeutlichen wir das kurz an Hand von Zahlen: Durchschnittlich stehen Studierenden österreichweit laut BMWFW monatlich inkl. Naturalienleistungen, also alles in Allem, 1.132 € zur Verfügung. Mit einberechnet in diese Zahl werden aber auch jene 8% der Studierenden, denen monatlich über 2.000 € zur Verfügung stehen. Über 50% der Studierenden leben unter der Marke von 1.000 € im Monat.

Wenn eine Studentin/ ein Student durchschnittlich 352 € für ein WG-Zimmer inkl. Strom, Heizung und Betriebskosten zahlt (lt. sws.at, Stand: 3.7.2016; N=10), zahlt sie/er bei einem Haushaltseinkommen inkl. Wohnbeihilfe von großzügigen 1.000 € also rund 35% fürs Wohnen. Zum Vergleich – der durchschnittliche Steirer/ die Steirerin zahlt etwa 20% seines/ihres Haushaltsnettoeinkommen fürs Wohnen. Wenn in einer 2er WG die Wohnbeihilfe gestrichen wird, kann es sein, dass Studierende ab September schon rund 39 % des ihnen verfügbaren Geldes fürs Wohnen zahlen müssen.

Wie wird das kompensiert?

Entweder gar nicht, was bedeutet dass in Graz weniger konsumiert wird: Schlecht für den Handel, schlecht für die Gastronomie und nicht zuletzt schlecht für das Land, da auch die MwSt. für die nicht konsumierten Dienstleistungen und Produkte wegfällt.

Oder die ohnehin finanziell stark belasteten Eltern sind so großzügig und gleichen die Differenz aus. Die Mittelschicht wird also noch stärker belastet.

Oder die Studierenden gehen noch mehr neben dem Studium arbeiten, was zur Folge hat, dass noch länger studiert wird, daraus folgen Mehrkosten für den Studierenden und künftig weniger Einkommenssteuer für den Staat, da sich der Einstieg in den Beruf noch weiter hinauszögert.

Oder aber die Studierenden ziehen dorthin, wo studieren leistbarer ist (z.B. Klagenfurt) oder wo das Angebot größer ist (z.B. Wien). Ganz schlecht für die Stadt Graz und ihr Budget.

Fazit

Die Streichung der Wohnbeihilfe ist schlichtweg falsch. Finanziell büßen werden diese unüberlegte Aktion nicht nur die Studierenden, sondern auch deren Eltern, der Handel, die Gastronomie und nicht zuletzt die Gemeinde und das Land selber. Die Armutsgefährdung steigt, ein Widerspruch zur Parteiideologie der SPÖ, und die Wirtschaft wird geschwächt, ein Widerspruch zur Parteiideologie der ÖVP.

Politisch büßen werden dies die steirische ÖVP und SPÖ. Sie liefern mit dieser Aktion der Mittelschicht einen weiteren Grund sie nicht mehr zu wählen.

Was Sie persönlich dagegen tun können: Unterstützen sie online die Petition unter http://bit.ly/29bljuP, unterschreiben Sie die gemeinsame Unterschriftenliste der steirischen Hochschulvertretungen, demonstrieren Sie am Dienstag, dem 5.7.2016 um 9:15 vor dem Landhaus (Herrengasse 16) gegen diese Maßnahme, oder schreiben Sie ihrem Landtags- oder Gemeinderatsabgeordneten.

Quellenangabe:

  1. http://www.kleinezeitung.at/s/steiermark/landespolitik/5040741/Steiermark-spart_Wohnbeihilfe-nur-mehr-fur-Studenten-mit-Stipendium; Stand: 3.7.2016
  2. http://www.kleinezeitung.at/s/steiermark/chronik/5041718/Landesreform_Gestrichene-Wohnbeihilfe_Studenten-laufen-Sturm?_vl_backlink=/s/steiermark/index.do; Stand: 3.7.2016
  3. http://www.sozialerhebung.at/index.php/de/bericht-des-bmwfw-materialien-zur-sozialen-lage-der-studierenden; Stand: 3.7.2016
  4. http://www.sws.or.at/Zimmer_Liste.asp?set=0; Stand: 3.7.2016
  5. http://kurier.at/wirtschaft/wo-anteil-der-wohnkosten-am-einkommen-am-hoechsten-ist/159.518.558; Stand: 3.7.2016
  6. https://www.openpetition.de/petition/online/die-wohnbeihilfe-fuer-studierende-muss-bleiben; Stand: 3.7.2016