Bildung und Qualität

Von 17. bis 19. September fand in Ljubljana das 11. Europäische Forum für Qualitätssicherung statt. Der Autor war für die ÖH Uni Graz vor Ort.

Autor: Leopold Lindenbauer

Hast du dich schon einmal gefragt, warum die Uni dich so stoisch daran erinnert, endlich die LV-Evaluierungen auszufüllen, obwohl die Rücklaufquote immer im niedrigen einstelligen Bereich1 ist? Sie hat (fast) keine andere Wahl – der Bologna-Prozess sieht vor, dass in der Hochschulbildung Qualitätssicherung stattfindet. Die „European Standards and Guidelines“ (kurz ESG) dazu gelten seit 2005 mit einer Änderung von 2015 und schreiben neben vielem anderen auch vor, dass eine Lehrevaluierung stattfinden muss. In welcher Form diese Evaluierung stattfindet, wird nicht festgelegt. Allerdings hat sich in Österreich (wie fast überall) die Fragebogen-Methode als Standard herauskristallisiert.

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Mit Einführung der ESG wurde auch das EQAF, das „European Quality Assurance Forum“ geschaffen, eine jährliche Fachtagung für die Akteur_innen des Europäischen Hochschulraumes. Dort wird über Theorie und Praxis der Qualitätssicherung (QA ­– „Quality Assurance“) konferiert, neue Trends werden vorgestellt, Probleme besprochen. Veranstalterin des Events ist die Gruppe der E4, das sind die europäischen Verbände für Universitäten (EUA), Studierende (ESU), Bildungseinrichtungen (EURASHE) und der QA-Agenturen (ENQA). Diese E4 wiederum bilden den Kern der Gruppe, die die ESG aus- und überarbeitet hat. Das EQAF darf also mit Fug und Recht als Indikator für zukünftige Entwicklungen im Europäischen Hochschulraum dienen.

Studierende im Zentrum der Aufmerksamkeit

Mit der Änderung der ESG 2015 rücken Studierende mehr in den Fokus der Qualitätssicherung, sowohl in der studentischen Mitbestimmung und Teilhabe quer durch alle Gremien als auch im Rahmen des „Student Centered Learning“, das als Standard 1.3 weitreichend Einzug in die Hochschullandschaft gehalten hat. Dabei geht es nicht darum, Studierende mit Edutainment zu bespaßen, sondern aus Betrachtung von Lernzielen und den Bedürfnissen der Lernenden die Lehrmethoden zu entwickeln.

Nicht ganz einig war sich das Forum, unter welchem Paradigma die Studierenden betrachtet werden sollen – insbesondere die Idee von Studierenden als Kund_innen, die Bildung und akademische Grade als ein Produkt konsumieren und Universitäten, die in Ratings, Rankings und Exzellenzinitiativen zueinander in Konkurrenz um diese Kund_innen – und damit Geld ­– treten, geistert noch immer durch einige Köpfe. Wer im gleichen Satz die Studierenden dann noch als (Fließband-)Produkte der Universitäten bezeichnete, sah sich dann nur noch höflich gezückten Augenbrauen gegenüber. Nach dem Universitätsgesetz gilt dagegen immer noch: Studierende sind Angehörige der Universität, und die ÖH Uni Graz findet das gut so.

Übrigens: Die nächsten EQAF finden 2017 in Riga und 2018 in Wien statt, für Studierende ist die Teilnahmegebühr stark reduziert. Einen ausführlicheren Tagungsbericht wird es am xx.yy. um 16:00 im Sitzungszimmer der ÖH Uni Graz geben.

1 Warum du und deine Kolleg_Innen lieber auf Facebook über diesen einen furchtbaren Kurs jammern als der Uni direkt mitzuteilen wo das Problem liegt, wird von der Fachwelt noch immer heiß debattiert. Weißt du es? Dann melde es dem Referat für Bildung und Politik unter bipol@oehunigraz.at. Die besten Einsendungen werden mit einer signierten Ausgabe der ESG 2015 prämiert.