Superfood ist doch eh super, oder?

Autorin: Johanna Wöß

Chiasamen, Aloe Vera und Gojibeeren sind neuerdings „Must Haves“ in jedem ernährungsbewussten Haushalt. Was all diese Lebensmittel gemeinsam haben? Sie sind sogenannte „Superfoods“, also Naturprodukte, denen heilende und stärkende Wirkungen nachgesagt werden. Doch wie bei jedem neuen Trend scheiden sich auch hier die Geister: Skeptiker_innen sehen hinter dieser Entwicklung nicht mehr als eine Marketingstrategie, während Befürworter_innen von den positiven Eigenschaften überzeugt sind.

Credit: Johanna Wöß

Was ist Superfood eigentlich?

Die Definition von sogenanntem Superfood ist nicht einfach, da es keine gesetzliche Regelung dafür gibt. Ein Erklärungsversuch wäre zu sagen, dass Produkte, die von einem bestimmten Nährstoff oder Wirkstoff mehr haben, als herkömmliche Nahrungsmittel, als Superfood bezeichnet werden können. Für den Befürworter und Experten David Wolfe heben sie sich von „normalen“ Lebensmittel ab, weil sie im Laufe der Zeit nie verändert worden sind und hohe Anteile an Vitaminen und Antioxidantien enthalten. Angeblich wirken sogenannte Antioxidantien gesundheitsfördernd, was aber (noch) nicht wissenschaftlich bewiesen ist. Wolfes Ansicht nach nehmen wir heutzutage zu wenig Mineralien und Vitamine in unseren Körper auf. Den Grund dafür sieht er in Monokulturen und Überzüchtung.

Auch eine Eingrenzung, welche Nahrungsmittel zu Super-Nahrungsmitteln aufsteigen können, ist schwer. Exotische Früchte, Samen, Beeren oder Algen haben gute Chancen auf die Superfood-Liste zu kommen. Längst gibt es diese „besonderen“ Produkte nicht mehr nur in kleinen veganen Läden oder Reformhäusern sondern auch in (fast) jedem normalen Supermarkt.

Ökologisch bedenklich

Ins Kreuzfeuer der Kritik gerät Superfood, weil es trotz seiner angeblich gesundheitsfördernden Wirkung vor allem aus dem asiatischen Raum und anderen exotischen Ländern importiert wird. Der ökologische Fußabdruck von nur einer Packung Gojibeeren ist somit immens.
Als Grundsatz bei diesen Produkten gilt: Je mehr, desto besser. Superfood muss also in großen Mengen konsumiert werden, um einen positiven Einfluss am eigenen Körper erkennen zu können. Doch Gojibeeren, Chiasamen und Co. sind um einiges teurer als regionale Produkte und das obwohl eine heilende Wirkung nicht wissenschaftlich erwiesen ist.

Es gibt auch in Österreich viele regionale Produkte, die in manchen Kreisen schon als Superfood definiert werden und den exotischen Produkten um nichts nachstehen.  Als Pendant zu Gojibeeren zählen Aroniabeeren oder Heidelbeeren und statt Chiasamen kann man Leinsamen verwenden. Weiterer Pluspunkt: Regionale Produkte sind im Normalfall auch um einiges billiger.

Es steht außer Frage, dass in sogenanntem Superfood wichtige Vitamine enthalten sind, doch wer sich ausgewogen ernähren will braucht eigentlich keine Nahrungsmittel mit exotisch klingenden Namen. Heidelbeeren sind doch auch super, oder nicht?