Tierische Fitness

Autorin: Christina Schober

„Wennst a Bikini-Figur wüst, dann ziag an Bikini an!“ Har-har. Ich liebe diese pseudo-witzigen Weisheiten. Nicht hilfreich, nicht lustig, nicht notwendig. Vor allem wenn man tatsächlich den Entschluss fasst, an seinem äußeren Erscheinungsbild zu arbeiten. Das Problem: Möchte man in Unterwäsche auch nur annähernd so gut aussehen wie Mila Kunis oder Brad Pitt (oder wen auch immer ihr optisch reizvoll findet), dann kommt man um die regelmäßige sportliche Betätigung nicht herum. Außer man hat so eine dermaßen tolle Selbstbeherrschung, dass man auf alle leckeren Gemeinheiten der Nahrungsmittelindustrie verzichtet und sich Kaninchen-like nur von gesunden, kalorienarmen Produkten ernährt. Aber mal ehrlich: Wer kann das schon? Ich zumindest nicht. Als leidenschaftliche Burger-Esserin, Bier-Trinkerin und Raucherin, die blöderweise nicht mehr den Stoffwechsel einer Jugendlichen hat, komme ich einfach nicht um den Sport herum. Auch wenn ich schon das eine oder andere Mal überlegt habe, einfach darauf zu verzichten und eine Karriere als Sumo-Ringerin zu starten. Ja, nein, ist auch blöd.

Dementsprechend habe ich vor einiger Zeit meinen überzähligen Kilos den Kampf angesagt und habe festgestellt: Nein, Sport ist nicht Mord! Soll ich euch sagen, wofür das Wort „Sport“ tatsächlich steht? Ich sag’s euch! Es steht für das, was es ist, nämlich: Super Peinlich Oder Restlos Traumatisierend. Und ich muss es wissen, schließlich bin ich jetzt schon seit über einem Jahr stolze Besitzerin eines Fitnessstudio-Abos. Das Peinliche daran? Naja, jeder/jede fängt einmal an, was ja sehr lobenswert ist. Wenn du dann aber mit hochrotem Schädel, schweißnassen Haaren, keuchend und japsend nach einer Stunde in die Umkleidekabine trottest, möchtest du dich am liebsten selbst für den „Unsexiest-Person-Alive-Award“ nominieren. Und hoffst zudem inständig, dass nicht irgendein „Ex-Gspusi“ dasselbe Fitnessstudio benutzt!

Für Menschen mit mehr Selbstvertrauen oder solchen, die schon näher an ihrer Traumfigur sind, ist der Fitnesstudio-Besuch dann weniger peinlich, dafür oft umso traumatischer. Das liegt vorrangig an den anderen Menschen runderherum. Besonders zu Jahresbeginn, wo gute Vorsätze und Schleuderpreise die Massen zum Sport treiben, bin ich regelmäßig am Verzweifeln, wenn ich das Fitnessstudio nutze. Da geht’s zu wie im Zoo! Der eine galoppiert am Laufband mit der Grazie eines Elefanten (und riecht auch wie einer, by the way), die andere macht bei ihren Trainingsübungen Geräusche wie ein sterbendes Eichhörnchen. Ganz allgemein kommt man sich vor wie inmitten einer Herde stolzer Pfaue, die gackernd ihr mehr oder weniger prächtiges Gefieder präsentieren. Und wer jetzt klugscheißert, dass Pfaue keine gackernden Herdentiere sind, möge sich bitte selbst ins Fitnessstudio begeben und eine biologisch korrekte und/oder treffendere Situationsbeschreibung abliefern!

Und so frage ich mich inständig: Kann ich mir nicht einfach zum Muskelaufbauen wie Popeye der Seemann ein halbes Kilo Spinat einverleiben und gut ist’s? Zumindest für manche ist Spinat essen eh auch mindestens so schlimm wie eine Stunde Cardio-Training, also sollte damit genug Buße geleistet sein. Aber nein, das wirkliche Leben findet, dass wir für unseren Traumkörper ordentlich leiden müssen. Und das meine Lieben, mache ich auch! Jetzt dann aber ohne Peinlichkeiten und Traumata, das Abo habe ich nämlich gekündigt. Ha!