Interview mit dem scheidenden Vorsitzteam

Knapp zwei Jahre ist es nun her, dass das ÖH-Vorsitzteam bestehend aus Markus Trebuch (FLUG), Katharina Gruber (AG) und Florian Lackner (JUNOS) seine Arbeit begonnen hat. Wir haben für euch mit dem Team ein wenig über ihre Zeit im Vorsitz geplaudert.

Autor_innen: Gunnar Knaus und Anna Holzhacker

V.l. n.r.: Markus Trebuch, Katharina Gruber und Florian Lackner

 

Eure Amtsperiode neigt sich dem Ende zu – wie geht es euch damit?

Kathi: Das ist situationsbedingt, manchmal denk ich mir: „Schön, dass wir es jetzt alles abgeben können und wieder mehr Freizeit haben“. Auf der anderen Seite gäbe es noch einige Sachen, die wir gerne umgesetzt hätten, die sich jetzt aber nicht mehr ausgehen und da find ich es schade, dass es schon vorbei ist.

Flo: Es war eine sehr spannende Zeit! Bei Sachen die ungelöst bleiben, gilt es für das neue Team, dran zu bleiben.

Sind zwei Jahre zu kurz?

Markus: Sagen wir so, du brauchst bei so einer Arbeit immer eine gewisse Zeit, bist du richtig drinnen bist, weil einfach sehr viel zusammen kommt. Und dann nach zwei Jahren, wenn du eingearbeitet bist und weißt wie die Dinge laufen, ist es schon wieder vorbei.

Kathi: Alleine für die persönliche Abstimmung im Team geht viel Zeit drauf.

Markus: Und auch was Verhandlungen mit der Uni und dem Rektorat angeht, ist das sehr schade, die wissen das natürlich auch und spielen gerade bei unangenehmen Themen sehr auf Zeit.

Wie oft haben wir diesen Satz gehört: „Das ist eine wirklich gute Idee aber ich bin nicht zuständig dafür, bitte gehn’s zum Kollegen“.

Gibt es Beispiele, wo die Uni auf Zeit spielt?

Markus: Spontan fallen mir da die Aufnahmegebühren ein, aber auch die Lernplatzsituation.

Kathi: Es ist oft nicht nur ein Zeit-, sondern auch ein Perspektivenproblem. Wir haben als Interessensvertretung der Studierenden oft andere Wahrnehmungen und Ansichten als die Universität. Konkretes Beispiel Lernplätze: die Uni sieht sich als zuständig, eine Bibliothek zu bauen, wo Mitarbeiter_innen beschäftigt  und Fachbücher untergebracht sind. Wir sehen dafür viel stärker die Aspekte der Lernplätze oder der Ausleihmodalitäten. Und es dauert oft lange, bis du die Uni, beziehungsweise die unterschiedlichen Stakeholder zu dem Bewusstsein bringst, dass auch solche Anliegen mit entsprechender Wichtigkeit zu behandeln  sind. Wie oft haben wir diesen Satz gehört: „Das ist eine wirklich gute Idee aber ich bin nicht zuständig dafür, bitte gehn’s zum Kollegen“.

Das klingt nach viel Bürokratie?

Markus: Es ist oft ein wenig wie mit dem Passierschein A38 bei Asterix.

Kathi: Man muss fairerweise sagen, dass es mit gewissen Abteilungen sehr gut und unkompliziert geklappt hat, zum Beispiel die zusätzlichen Spinde in der ReSoWi-Bibliothek. Das war nach zwei Wochen erledigt. Es scheitert sicher nicht immer am Wollen, sondern oft auch am Bewusstsein, wie wichtig manche Dinge eigentlich sind.

Flo: Und an der Struktur. Aber man muss sagen, grundsätzlich hat die Uni ein offenes Ohr für die Anliegen der Studierenden. Zum Beispiel bei studienrechtlichen Dingen. Mit Vizerektor Polaschek (Vizerektor für Studium und Lehre) oder der Studien- und Prüfungsabteilung hat es immer eine gute Zusammenarbeit gegeben.

Vor Kurzem fanden die ÖH Wahlen statt, warum glaubt ihr, dass die Beteiligung so schlecht ausgefallen ist?

Kathi: Ich glaube wir brauchen uns von der Bewerbung der ÖH Uni Graz selbst nichts vorwerfen. Da gab es jede Menge Informationen für jene, die sich damit auch auseinandersetzen wollten. Ich denke auch nicht, dass es am Wahlsystem liegt und mit E-Voting viel besser laufen würde. Bei anderen Wahlen musst du am Wochenende mit deinem Pass in irgendein Wahllokal gehen und die Beteiligung ist trotzdem besser. Die ÖH muss sich generell die Frage stellen, wie sie es schaffen kann, auch außerhalb der Wahlzeiten präsent und so nahe wie möglich bei den Studierenden zu sein. Wichtig wäre sicher eine leichtere Zugänglichkeit. Ich würde da auch unserem Nachfolgerteam mitgeben, sich zum Beispiel die Homepage genau anzuschauen. Die ist nämlich nicht besonders benutzerfreundlich.

Markus: Es ist auch die Frage, inwieweit die Streitereien einer gewissen Partei dazu beigetragen haben. Frei nach dem Motto „Dieser Kindergarten interessiert mich nicht“, vielleicht hat auch der Skandal am Juridicum in Wien seinen Beitrag dazu geleistet. Ich denke, ein großes Problem ist, dass sehr viele auch nicht differenzieren und die ÖH immer als Gesamtes sehen.

Habt ihr das Gefühl, dass Studierende wissen, was eine ÖH tut?

Flo: Ich war für meine Fraktion im Wahlkampf am Campus unterwegs und hab mit vielen Studierenden gesprochen. Und da fragst du, ob sie wissen, was die ÖH eigentlich macht, und du bekommst sehr oft die Antwort, dass sie keinen blassen Schimmer haben, oder höchstens die eine oder andere Buschenschank-Fahrt mitbekommen. Aber das ganze Studienrechtliche, die Curricula-Bearbeitung und die Beratungsarbeit, das wissen viele einfach nicht.

Kathi: Curricula-, Berufungskommissionen, welche Möglichkeiten per Gesetz für die ÖH da sind, die Gremienarbeit im Hintergrund – das alles sieht halt kaum jemand und die Frage ist, wie du diese Themen stärker in den Vordergrund stellen kannst. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben der ÖH: Unser Mitspracherecht in bester Weise nutzen, um die Studienbedingungen zu verbessern. Curricula-Kommissionen sind mit einem Drittel von Studierenden besetzt, da geht extrem viel, wenn man da gut vernetzt ist. Und stellt sich halt schon die Frage, wie man das vermitteln kann. Groß damit hausieren gehen, das funktioniert leider nicht.

Flo: Was mir am Wahlkampfstand aufgefallen ist: Viele der Studierenden sind ja grundsätzlich daran interessiert, Informationen zu holen. Bei einem Kaffee kommt man dann auch sehr gut ins Gespräch. Davon muss es in Zukunft sicher mehr geben, nicht nur in der Wahlkampfzeit.

Das sind so die kleinen Momente, die einen wirklich freuen – wenn du  siehst, dass du anderen helfen kannst.

Was nehmt ihr aus eurer Zeit im Vorsitz mit?

Markus: Ich glaube, man lernt in einer solchen Zeit sehr viel über sich selbst. Keine Ahnung, wo es mich oder euch einmal hin verschlägt, aber man lernt über sich persönlich und im Zwischenmenschlichen so viel, zum Beispiel was Arbeitsprozesse betrifft.

Kathi: Ich merke, dass ich bei Verhandlungen mittlerweile viel hartnäckiger bin, denn oft scheitert es nicht daran, dass andere in Verhandlungen deine Anliegen nicht teilen, sondern einfach eine ganz andere Sichtweise haben. Da musst du oft überzeugen und dran bleiben.

Flo: Persönlich hab ich einiges gelernt, zum Beispiel was den Umgang mit Konflikten angeht. Die hatten wir immer wieder einmal und das ist auch ganz normal in einer Dreierkoalition, wenn unterschiedliche Anliegen und Ansichten aufeinander treffen. Die Frage ist, wie man damit umgeht und trotzdem konstruktiv arbeitet. Da haben wir, glaube ich, alle viel gelernt.

Also sehr viele persönliche Erfahrungen?

Markus: Ja absolut, Zeitmanagement, Konfliktmanagement, Problembewältigungsstrategien – also gerade im Soft Skills Bereich haben wir sicher sehr viel mitgenommen.

Gibt es Highlights, auf die ihr gerne zurückblickt?

Kathi: Ich hab mich über die neu entstandenen Lernplätze gefreut, vor allem in dem Wissen, wie wenig von der Uni ursprünglich angedacht war. Es sind zum Beispiel in zwei Monaten 150 neue Lernplätze entstanden. Das ist ein cooler Moment, wenn du dann so durch den Wall gehst und dir denkst: „Schön, dass das so schnell geklappt hat“.

Markus: Es gab viele schöne Erlebnisse. Letzen Sommer beispielsweise waren einmal zwei Burschen bei mir im Büro, die ihren Studienbeitrag zu spät eingezahlt hatten, da sie davor im Ausland waren. Dadurch waren sie exmatrikuliert und wir haben sie dann durch Verhandlungen wieder reingebracht. Als Dank haben sie mir ein 6er-Tragerl Bier vorbei gebracht. Das sind so die kleinen Momente, die einen wirklich freuen – wenn du  siehst, dass du anderen helfen kannst.

Flo: Mich freut es wirklich, dass das Vergabetool des Projekttopfes so großartig angenommen wurde. Ich war dann auch immer bei den Veranstaltungen und die Leute haben sich immer bedankt, dass das so gut funktioniert hat und sie ihr Projekt verwirklichen konnten.

Das Traurige daran war, dass sie es ja selbst erkannt haben, welch brutale Verschlechterung das für die Betroffenen bedeutet, aber es hat sie einfach nicht interessiert.

Und was sind die negativen Dinge, die in Erinnerung bleiben?

Markus: Ich würde mich bei gewissen Punkten sicher nicht mehr so von der Uni vertrösten lassen.

Kathi: Hin und wieder ist der Workload dermaßen hoch gewesen, dass ich gar nicht mehr wusste, wie ich das je abarbeiten soll. Wo die Zeitressourcen so knapp wurden, dass ich wirklich das Gefühl hatte, es nicht mehr zu schaffen. Das war manchmal nicht einfach. Und natürlich die Sache mit der Wohnbeihilfe, dass wir als Interessensvertreter_innen jener Gruppe, die den Einschnitt sehr hart zu spüren bekam, von der Landespolitik so außen vor gelassen wurden.

Könnt ihr zur Wohnbeihilfe etwas aus eurer Sicht sagen?

Kathi: Es war einfach keinerlei Bereitschaft da, auf unsere Argumente und dargelegten Fakten einzugehen. Das war einfach der politische Wille der Landesregierung und die sind da stur drüber gefahren. Auch diese Aktion, am Abend des 30. Juni mit dieser Idee nach außen zu gehen, um es Anfang Juli umzusetzen, wo die meisten Studierenden auch gar nicht mehr hier sind, war eine Frechheit.

Flo: Wir hatten damals kurzfristig eine Petition aufgesetzt, bei der auch nicht wenige unterschrieben hatten. Die Behandlung dieser wurde hin und her verschoben und dann einfach als formal fehlerhaft abgetan und abgelehnt.

Markus: Man hat auch gemerkt, dass sich viele im Petitionsausschuss des Landtages das neue Gesetz überhaupt nicht angesehen hatten. Wir haben ihnen Statistiken und Zahlen aus der Studierendensozialerhebung des IFS vorgelegt, bezüglich des Einkommens und Wohnbudgets, diese Zahlen waren den Politiker_innen aber nicht einmal ansatzweise bekannt.

Kathi: Es war genau zu erkennen, dass die Politiker_innen weniger einen anderen Standpunkt als wir vertreten, sondern das vielmehr ein oktroyierter politischer Wille übernommen wird, ohne die Hintergründe zu kennen. Da kommst du auch mit den besten Argumenten nicht dagegen an. Wir haben uns mit Vertreter_innen aller Parteien unterhalten und über die Umstände aufgeklärt, aber es war wurscht. Der politische Wille war da, da haben keine Argumente gezählt.
Das Traurige daran war, dass sie es ja selbst erkannt haben, welch brutale Verschlechterung das für die Betroffenen bedeutet, aber es hat sie einfach nicht interessiert.

Markus: Am Schlimmsten hat sich dieser politische Wille bei einer Aussage von Soziallandesrätin Kampus gezeigt, von der diese Idee ja auch ausging. Auf das Argument, dass dieses System nicht fair sein kann, antwortete sie: „Das alte System war für sich als System fair, und das neue System ist für sich als System fair“. Da habt ich mir gedacht, bist du deppert, das soll eine Soziallandesrätin sein?

Was würdet ihr anders machen, wenn ihr noch einmal zwei Jahre Vorsitz wärt?

Markus: Sich am Beginn genug Zeit nehmen, um sich kennen zu lernen, am besten bei einem Teambuilding-Seminar. Wir kannten uns vor unserer Amtszeit persönlich nicht und auf einmal bist du gemeinsam im Vorsitzteam und musst herausfinden, wie die Aufgaben, aber auch wie die Menschen dahinter funktionieren.

Flo: Es wäre auch wichtig gewesen, gleich von Anfang an einen klaren Aufgabenkatalog zu haben, also wer wofür zuständig ist, und wer sich wo einarbeiten soll. Wir hatten so ein Seminar zwar im Herbst, aber gleich zu Beginn wäre das sicher viel besser gewesen. Es ist oft viel Energie bei Kleinigkeiten drauf gegangen, und das schlaucht einfach.

Es ist völlig egal, welche Fraktionen in Zukunft die Koalition bilden, da muss eine gute Übergabe stattfinden. Wir würden ansonsten ja nur unsere eigene Arbeit sabotieren.

Wie sieht nun der Übergang vom alten an das neue Vorsitzteam aus?

Kathi: Wir haben unsere Arbeitsbereiche gut dokumentiert und werden das alles an das neue Team weitergeben. Das sollte ohnehin jeder Person, die sich einmal auf der ÖH engagiert hat ein Anliegen sein: den nachfolgenden Teams die bestmöglichen Informationen bereitzustellen, unabhängig von Politik und Fraktion. Ich hab meine Urlaubspläne extra auf Ende Juni gelegt, damit ich den restlichen Sommer in Graz bin und eine gute Übergabe machen kann.

Flo: Es ist völlig egal, welche Fraktionen in Zukunft die Koalition bilden, da muss eine gute Übergabe stattfinden. Wir würden ansonsten ja nur unsere eigene Arbeit sabotieren.

Sollte eine gute Übergabe nicht ohnehin selbstverständlich sein?

Markus: Es gab da leider viele Negativbeispiele in der Vergangenheit. Einmal wurden sogar  Festplatten gelöscht, und Ordner sind verschwunden – es wurde also wirklich Wissen vernichtet, um es den Nachfolger_innen, die politisch anders eingestellt waren, extra schwer zu machen. Und bei sowas machen wir nicht mit.

Flo: Auch bei unserer Übergabe vor zwei Jahren gab es einige Schikanen. Es gab zum Beispiel eine interne Facebook-Gruppe für ÖH-Mitarbeiter_innen und wir fragten die Administrator_innen – die alle von einer nicht mehr in der Koalition vertreten Fraktion waren – um die Rechte dieser. Es gab keinerlei Reaktion.

Markus: Ich hab dann den ehemaligen Vorsitzenden gefragt, und der sagte einfach nein, mit der Begründung, wir würden alle Oppositionsmitglieder ausschließen. Warum sollten wir sowas tun? Da geht es um internen Austausch und Vernetzung, nicht um politische Interessen. Aber anscheinend sehen das nicht alle so. Wir mussten dann eine neue Gruppe anlegen, wegen so einem kleingeistigen Verhalten. Zum Thema Übergabe, ich bin den ganzen Juli in Graz und stehe jederzeit zur Verfügung, was die Übergabe angeht. Gerne auch zu späterer Zeit, denn viele Fragen kommen erst im Laufe der Amtszeit zum Vorschein. Es geht um eine funktionierende Studienvertretung, nicht um irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten.

Wie geht es bei euch jetzt weiter?

Markus: Also planmäßig bin ich nächstes Jahr mit dem Studium fertig.

Kathi: Bei mir ist jetzt Halbzeit im Studium und die zweite Hälfte geht nun hoffentlich ein wenig flotter voran.

Flo: Ich bin auch hoffentlich nächstes Jahr fertig.

Macht ihr auch noch was auf der ÖH?

Markus: Ja, ich bleibe noch im Senat.

Kathi: Same here, und Bundesvertretung.

Flo: Wir haben das intern noch nicht besprochen, wen wir entsenden.

Kathi: Flo, schau, dass du dich für’n Senat nominieren lässt, das wär much nice.

Flo: Haha, ja wir werden sehen!

Wir danken fürs Gespräch!