Von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen

Die Hürden im E-Mail-Verkehr zwischen Studierenden und Professor_innen. Ein Gedankenausbruch von Christina Schober, ehemalige Referentin des Referats für Bildung und Politik und verwirrte Studentin, die sich nicht mehr zwischen „Sehr geehrter Herr DDr. Dipl.Ing.“ und „mfgmh“ zurechtfindet.

Credit: Alex Proimos/Flickr; CC BY-NC 2.0

In den meisten Familien lernt man bereits in seiner Kindheit, dass der „Hallo“ schon gestorben sei (armes Kerlchen) und man insbesondere älteren Menschen mit Respekt und einem höflichen „Grüß‘ Gott“ zu begegnen habe. Dass eine „Gott“ beinhaltende Grußformel in Zeiten der Migration und Plurireligiosität vielleicht nicht mehr ganz so passend erscheint, sei ob der begrenzten Zeichenanzahl dieses Artikels einmal so dahingestellt. Nur so viel: Die „Guten Tag“-Fraktion wächst. Zusätzlichen Respekt verdienen, so lehrt es uns die Gesellschaft, Leute, die sich nicht mit niedrigen körperlichen Tätigkeiten befassen, sondern einen Gutteil ihres erwachsenen Lebens mit der Anhäufung von Wissen mehr oder weniger nützlicher Art verbringen. Diese besondere Spezies werden auch Akademiker_innen genannt. Dabei scheint die Formel zu gelten: Je länger die Titelschneise des Gegenübers, desto untertäniger hat man zu agieren.

Credit: Gunnar Knaus

Der alltägliche Spaß des Mail-Verkehrs

Betritt man nun die Bühne der überbordenden Titel und persönlichen Befindlichkeiten, sprich, man stürzt man sich als Student_in in das akademische Universum, stellt man doch ganz schnell fest, dass das irgendwie alles nicht so einfach ist mit dieser Kommunikation. Denn auch in den Reihen der Professor_innen fand und findet ein Generationenwechsel statt und die Anzahl an Akademiker_innen, die ihre Titel wichtiger nehmen als sich selbst, wird zunehmend weniger. Diese Tatsache macht es uns Studierende allerdings mitnichten einfacher, die richtige Wortwahl im E-Mail-Verkehr mit unseren Vortragenden zu finden. Dabei muss sicher nicht extra erwähnt werden, dass die Anzahl an Fettnäpfchen, in die man mit oder ohne Anlauf springen kann, nahezu grenzenlos ist.

Hahahhahahahahahahhahaha 👏👏👏👏👏👏 #EmailFail #JimmyFallon

A post shared by F.R.I.E.N.D.S (@theonewiththeflashback) on

Wir als wohlerzogene junge Menschen bemühen uns also, unseren Professor_innen den gewünschten Respekt entgegenzubringen und finden uns umgehend in der allseits bekannten „Ja wie jetzt?“-Situation wieder. Ein Beispiel: Ich so: „Sehr geehrter Herr Ao.Univ.-Prof. DDr. Mag. Dipl.Ing. Hofrat! Dürfte ich Sie höflich um einen Sprechstundentermin bezüglich meiner Seminararbeit am kommenden Dienstag um 9:00 Uhr ersuchen? Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen…“ Professor so: „passt. Von meinem iPhone gesendet“. In dem Fall ist nicht mehr nur der „Hallo“ gestorben, sondern scheinbar die gesamte Familie der Begrüßungs- und Verabschiedungsfloskeln. Auf der anderen Seite wird unsere geschätzte Frau Rektorin wohl verständlicherweise auch keine Freude damit haben, mit „Liebe Frau Neuper“ angesprochen zu werden.
Die österreichische Titelwirtschaft macht es uns zusätzlich schwer, unterscheiden wir hierzulande bekanntlich auch noch zwischen akademischem Grad, Amtstitel und Berufstitel. Also welchen nehmen wir nun bei einer förmlichen Anrede? Der Knigge sagt dazu: „Als Anrede wird entweder der höchste akademische Grad („Herr Doktor“) oder ein Titel gewählt, der dem Anlass entspricht („Frau Professor“).“ Natürlich wird nicht näher ausgeführt, was genau nun „dem Anlass entsprechend“ heißt. So gesehen sind wir kein Stück schlauer.

Neben Vortragenden, die „lg [+ Initialen]“ verwenden, und jenen, die „hochachtungsvoll, Ihr DDr. xyz“ schreiben, gibt es noch eine dritte Kategorie von akademischem Personal: die Du-Sager. Eine recht neue Generation von Lehrenden, zumindest derzeit noch zu einem großen Teil aus dem bundesdeutschen Sprachraum, die uns Studierende damit beglückt, sie mit Du ansprechen zu dürfen. Eine Tatsache, die mich persönlich dann völlig aus dem Konzept bringt. Das hat mir meine Mama einfach nicht so beigebracht. Und auf die Mama hört man!

Schlussendlich bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als damit zu leben, dass wir keine Ahnung haben, wie man es nun richtig macht und darüber zu lachen, wenn wir es wieder einmal falsch gemacht haben. Kleiner Tipp zum Schluss: Im Zweifelsfall aber – wie beim Dresscode – besser zu formell als zu informell.

Autorin: Christina Schober
Erschienen in der Print Ausgabe 3 2015/16, S. 20

Vorschaubild: Alex Proimos/Flickr; CC BY-NC 2.0