Du bist, was du studierst

Die Libelle hat sich diesmal auf die Suche gemacht und fünf der bekanntesten Studienrichtungen unter die Lupe genommen.
Die Universität. Jener Lebensabschnitt, um den sich unendlich viele Mythen und Geschichten ranken. Jener Lebensabschnitt, dem die einen mit Begeisterung entgegentreten, fest davon überzeugt, ihr Leben mit Sinn oder zwischendurch auch nur mit Bier zu füllen, während die anderen am liebsten für immer eingekuschelt im Hotel Mama bleiben würden. Und doch haben wir alle etwas gemeinsam: die Erwartungen an die angeblich schönsten Jahre unseres jungen Lebens. Seien es Prüfungen, Lernstoff, Lehrende oder die erste eigene Wohnung – als Student_in, wird man vor viele Rätsel gestellt. Vor allem aber interessiert uns die Frage aller Fragen – wie sind sie denn nun, diese Studierenden?

#REALLIFEDRBIBBER
In Gruppen gescharrt, Erkennungszeichen ist der weiße Kittel, verschwinden sie hinter den großen Türen des Seziersaals, in der einen Hand ihre Bibel, den Waldeyer, in der anderen eine frische Sezierklinge. Haben sie erstmal den Aufnahmetest im Sommer geschafft, ebnet sich ein Weg, der anscheinend ganz nach oben führt. Die Mediziner_innen sind wahre Rudeltiere, denn nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Studiums indet man sie meistens nur in Herden vor. Im Alltag wird dann übrigens der weiße Kittel gegen den „MedUni“-Pullover getauscht, wahrscheinlich aus Angst, man könnte sie nicht erkennen oder noch schlimmer, für Studierende der Geisteswissenschaften halten. Am Wochenende trifft man sie dann meist zum Feiern, vorzugsweise im Kultus oder im Kottulinsky, wo sie die schwierigsten chemischen Strukturen durch Ethanol vergessen wollen.

#IRGENDWASMITTECHNIK
Tief im dunklen Dschungel der TU, zwischen Lianen aus Kabeln und bissigen Vortragenden, indet man sie: die Maschinenbaustudierende. Mit schmächtiger Statur wandeln sine durchs Leben, den Blick meist hinter dicken Brillengläsern versteckt, und geben sich ihrer wahren Liebe hin: der Mathematik und der Physik. Oftmals grübeln sie stundenlang über Gleichungen oder Formeln, die Normalsterbliche nicht verstehen, und erst, wenn eine ansatzweise passende Lösung erreicht ist, sind sie zufrieden. Dann geben sie sich ihrem Feierabend hin, der meistens aus der Beschäftigung mit dem Computer oder weiteren komplizierten Rechnungen besteht. Stiltechnisch erkennt man sie durch ihre Uniform, das Karohemd, das auf faszinierender Weise unendlich viele Interpretationen aufweist. Studierende aus diesem Bereich sind eher introvertiert. Statt sich stundenlang mit Freunden über etwas zu unterhalten, sitzen sie lieber in der Ecke und rechnen. Oder sie tauchen erst gar nicht auf. Dafür haben sie das Zuhören perfektioniert, sodass man bei jeglichen Problemen ihre ungeteilte Aufmerksamkeit hat.

#LÄUFTVONGGOETHEHER
Ein Rollkragenpulli der Marke „alternativer Hipster“, die Haare sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu einem Dutt gebunden, und nippend an einem Chai Latte, „Aber bitte mit Sojamilch.“ Germanistikstudent_innen sind leicht zu erkennen. Die Nase in einem natürlich literarisch wertvollen Buch versteckt, schütteln sie hin und wieder genervt den Kopf oder werfen Studierenden im selben Raum irritierende Blicke zu – es heißt „als“ nicht „wie“. Natürlich müssen auch ihre Freizeitaktivitäten zu ihrem kreativen Lebensstil passen, und so indet man sie am Wochenende auf Floh- oder Kunstmärkten, in Museen oder bei einem veganen Picknick im Grünen. Ebenso erfreuen sich Germanist_innen an gemeinsamen Theaterbesuchen, um dann stundenlang in einem coolen Vintagecafé bei weiteren sojamilchlastigen hippen Getränken darüber zu rezensieren. Der Frage, was sie später werden möchten, weichen sie lieber mit der Frage nach dem Sinn des Lebens aus. Trotzdem sollte man diese Studierenden auf keinen Fall unterschätzen, denn durch ihre Zungenfertigkeiten sind sie oft die perfekte Begleitung auf Partys. Und neben dem fast fehlerfreien Zitieren des Nibelungenliedes, können sie auch zu sämtlichen Klassikern wie „Wannabe“ mitsingen.

#JUSTUSODERJUSLERODERDIEELITEVONGESTERN
Während man über unseren wunderschönen Uni Campus stolziert, bleiben die Augen automatisch an einer Menschengruppe hängen. Die jungen Herren in feinen Anzügen, die bei jedem Schritt eine Menge an Haargel verlieren, die oft von ihren ebenfalls jungen Kommilitoninnen begleitet werden. Ganz getreu nach dem Motto „Du bist, was du studierst“, zeigt sich unsere „Elite von Gestern“ immer mit einem Ausdruck der Ernsthaftigkeit, denn sie wissen, dass sie die Zukunft und die Elite unseres Landes, wenn nicht sogar der ganzen Welt sind. Möge man mit ihnen reden, geht es entweder um Themen, die ihr Studium inkludieren oder Themen, mit denen sie sich gut hervorheben können (z. B. Bekanntschaft mit „Personen der Zeitgeschichte“, sprich Promis wie Daniela Katzenberger und das Vorhaben, einmal Anwalt wie in Suits zu werden). Ofiziell nennt man sie „Studierende der Rechtswissenschaften“ aber in Jodel-Insiderkreisen werden sie mit dem Vermerk „Justus“ ins Gespräch gebracht.

#SUPERCALIBIOLOGISCHEXPIALIGETISCH
Lange, zottelige Haare, braune Schlappen und Jutebeutel mit der Aufschrift „Freiheit für die Brüste“: unsere Biolog_innen. Nicht zu verwechseln mit dem Langzeitstudierenden aus dem letzten Jahrhundert. Die Frage, ob es sich hierbei um ein Männlein oder ein Weiblein handelt, ist manchmal unlösbar. Neben ihrem überaus seltenen Duft und ihrer Vorliebe für Dreck, präsentieren sie sich in ihrem Einheitslook. Es gilt: „möglichst biologisch abbaubar“. Sollte dir einmal jemand die Wurstsemmel aus der Hand schlagen, stehen die Chancen gut, dass das wer von den Ökos war. Vielleicht gehen sie dir auch auf die Nerven, weil sie dich überzeugen wollen, zur Selbsthilfegruppe der „Veganen“ zu kommen. Du kannst dir aber sicher sein, unsere Koryphäen des Planzen- und Tierreichs sind engagierter denn je.

Autorinnen: Katrin Kindler, Cornelia Scheucher
Erschienen in der Print-Ausgabe 1 2017/18, S. 10-11

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