Fein aber fies – Feinstaub in der Stadt

Er ist nicht zu sehen, zu hören oder zu schmecken. Der Feinstaub, der gleich einem Damoklesschwert über Großstädten hängt. Aber was ist überhaupt dieser Feinstaub, über den so viel geredet wird und gegen den doch so wenig getan wird?

Feinstaub ist prinzipiell jede Art von Staub, der allerdings durch seine Partikelgröße nicht sichtbar ist. Wenn man die herrlich salzige Luft am Meer einatmet, fällt das genauso unter Feinstaub, wie der in den Städten. Allerdings sind die beiden doch sehr verschieden. Der MeerFeinstaub besteht nämlich hauptsächlich aus Salzkristallen, der andere ist ein Mix aus flüssigen und festen Partikeln, wie Ruß, Schwefelstoff, Dioxinen, Metalle, Abriebmitteln, Gummi, etc., die durch Ammoniak verbunden sind. Da fällt das Durchatmen schon schwerer. Durch ihre winzige Größe heben die Feinstaubpartikeln nicht nur die Gesetze der Schwerkraft auf und wirbeln tagelang durch die Luft, sie schleichen sich auch unbemerkt in unseren Körper ein. Ultrafeinstaubteilchen können sich sogar bis in unsere Lungenbläschen einschleusen, wo sie die Sauerstoffaufnahme gefährden und von dort in den Blutkreislauf übergehen, über den sie zu allen anderen Organen gelangen. Bei Feinstaub kann uns schon ein einziges Partikel krank machen. Laut der WHO gibt es nämlich keinen Grenzwert unter dem Feinstaub nicht schädlich ist.

Wer oder was produziert den Feinstaub?

Als der große Bösewicht wird meist ja der Verkehr gesehen. Stimmt auch, aber überraschenderweise ist er nicht der Hauptverursacher, genauso wenig wie die Industrie. Der größte „Feinstaubförderer“ ist die Landwirtschaft, genauer gesagt die Massentierhaltung. Denn die in Massen anfallende Gülle muss natürlich auch entsorgt werden. Diese belastet nicht nur Boden und Wasser, sondern durch das bei der Zersetzung freiwerdende Ammoniak auch die Luft. Dieses Ammoniak „braucht“ es nämlich als „Kleber“, damit sich z.B. Schwefel- und Stickstoffe aus dem Verkehr überhaupt zu Feinstaubpartikeln verbinden können.

Aber auch Kamine und Holzöfen verursachen Feinstaub, genauso wie das Rauchen einer Zigarette. Kochorgien und sommerliche Grillfeste verbessern auch nicht unbedingt die Feinstaubbilanz, genauso wenig wie Kerzen ausblasen und Toastbrot toasten. Wie man vielleicht an ihrem Verbot zum Jahreswechsel gemerkt hat, sind auch Feuerwerke ganz große Abwerfer von Feinstaub. In der Stunde zwischen 0 und 1 Uhr wurden zu Silvester in Deutschland beispielsweise 4.000 Tonnen Feinstaub gemessen! – Das sind 15% der Feinstaubbelastung, die jährlich durch den Verkehr verursacht wird.

Soll man also jetzt gleich die Landwirtschaft und/oder den ÖH-Druckerservice boykottieren? Das würde zwar sicher etwas an Feinstaub sparen, aber auch schon der Umstieg vom Auto/Öffi zum Rad tut Umwelt und Gesundheit gut. Sofern es möglich ist, meidet man bei seiner Radltour natürlich stark befahrene Straßen. Den Konsum von tierischen Produkten, Kaminöfen und Kerzen zu reduzieren ist auch ein guter Anfang. Dringend notwendig ist aber politisches Engagement zur Durchsetzung von Umweltzonen, Meatless Mondays oder City-Rädern. Denn kleine Partikel brauchen große Lösungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Autorin: Viktoria Wimmer