„Helden braucht die Stadt“ – die Grazer Local Heroes

Ganz im Sinne von „not all heroes wear capes“ hat sich die Libelle auf die Suche nach den Grazer ,Local Heroes‘ gemacht. Jenen Personen, die ihre Freizeit für das Wohlergehen der Anderen opfern. Und wir haben sie schnell gefunden.

5,8 Kilometer trennen die Münzgrabenstraße von der Karl-Morre-Straße. Die Eine befindet sich im Bezirk Jakomini, die Andere in Eggenberg. Zwei unterschiedliche Postleitzahlen, zwei unterschiedliche Seiten der Mur. Aber was verbindet die Beiden? Die Tatsache, dass beide Straßen als Standorte gemeinnütziger Organisationen in Graz dienen, und zwar der Roten Kreuz Dienststelle Graz-Stadt und dem KostNix- Laden der Stadtteilarbeit Eggenlend.

Aus Liebe zum Menschen

Jasmin El-Shabrawi studiert Humanmedizin im sechsten Semester an der Medizinischen Universität Graz. Jedes Wochenende schlüpft sie in ihre rote Jacke und macht
sich auf den Weg zu jener Roten-Kreuz-Dienststelle, bei der sie seit einem Jahr als Ehrenamtliche dabei ist. Jeden Samstag fährt sie im Nachtdienst und hilft Jung und Alt in Not. Auch an Feiertagen ist die Grazerin mit ägyptischen Wurzeln im Einsatz. Woher sie die Motivation hat? „Weil es mir unglaublich viel Spaß macht“, lacht sie. Nach einem Schnupperdienst im ersten Semester ihres Studiums hatte Jasmin einen guten ersten Eindruck von der Arbeit beim Roten Kreuz erlangt. Jedoch dauerte es noch einige Zeit, bis sie sich schließlich im vierten Semester dazu entschloss, sich zu bewerben. Somit wurde sie zum Teil des österreichischen Roten Kreuzes. Was im Dienst so passiert? „Das ist sehr verschieden“, meint die 20-Jährige: „Wichtig ist es, dass du als Team arbeitest. Wenn du das schaffst, dann funktioniert der Rest auch. Aber egal was passiert, jeder Einsatz läuft gut strukturiert ab.“ Im Winter fallen circa fünf bis sechs Dienste pro Nacht an, wohingegen es im Sommer meist drei bis vier mehr sind.

„Zeitmanagement ist das Stichwort.“

Neben ihrem Studium und der Tätigkeit als Rettungssanitäterin, arbeitet Jasmin noch als Studienassistentin auf der Medizinischen Universität. Und wie bekommt man das alles unter einen Hut? „Zeitmanagement ist das Stichwort. Natürlich muss man auch seine Prioritäten anders setzen. Ich habe im schwierigsten Semester meines Studiums mit der Ausbildung zur Sanitäterin begonnen, da musste ich auf viel Freizeit verzichten“, erklärt sie uns. „Natürlich kann man auch manche Dienste sausen lassen, jedoch ist es mir wichtig viele Fahrten zu machen, um viel Erfahrung zu sammeln“, sagt sie weiter. Durch die Arbeit als Sanitäterin bekommt sie einen völlig anderen Blickwinkel auf die Medizin als durch das Studium. Sie bekommt dadurch die Möglichkeit das Gelernte in der Praxis anzuwenden und sich weitere Kenntnisse anzueignen. Vor allem ist es ihr wichtig, den richtigen Umgang mit Personen jeden Alters zu erlernen. Jasmin sieht die Tätigkeit als Rettungssanitäterin nicht nur als hilfreichen Zusatz zum Studium, sondern auch als Hobby. „Mein Hauptgrund an der Mitarbeit beim Roten Kreuz ist die Freude und der Spaß daran“, sagt sie.

Beitrag für mehr Nachhaltigkeit

Auch in Eggenberg, genauer gesagt in der Karl-Morre-Straße, gibt es einige Local Heroes. Eine davon ist Maria*, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des KostNix-Laden. Zusammen mit sieben weiteren Ehrenamtlichen betreibt sie den Laden fünf Werktage die Woche. Der KostNix- Laden ist ein Projekt der Stadtteilarbeit EggenLend, welches vergangenes Jahr ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, Nachbarschaften zu stärken, Ressourcen zu schonen und auf Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen. Das Prinzip beruht auf Geben und Nehmen: man nimmt was man braucht, völlig kostenlos, und gibt was man nicht mehr benötigt. Durch die Chefin der Stadtteilarbeit EggenLend, Petra Lex, kam die ehemalige Küchenchefin des Telekommlehrlingheimes zu ihrer Tätigkeit. „Ich bin in Pension und alleine, da habe ich mir gedacht- warum nicht?“, erklärt uns Maria. Jeden Donnerstag findet man sie von 15 – 18 Uhr im Laden. Ihre Arbeit besteht aus der Annahme von Spenden, der Betreuung des Ladens sowie dem Sortieren der gebrachten Sachen. Ob es ihr gefällt? „Ja, sehr. Ich finde die Idee toll. Und hier kosten die Sachen eben nichts, weshalb es vielen hilft“, meint Maria*.

„Natürlich ist nicht immer alles nur gut.“

Obwohl der KostNix-Laden großen Anklang findet und gutes Feedback bekommt, gibt es auch genügend böse Zungen, die das Konzept schlecht machen. „Natürlich ist nicht immer alles nur gut“, sagt sie und erzählt uns von negativen Erfahrungen: „Manche Leute nutzen das Konzept eines Ladens mit kostenloser Ware leider komplett aus“, erklärt sie weiter. Vor allem Bedürftige, die Kleidung oder Geschirr wirklich benötigen, zögern meist länger etwas ohne Bezahlung zu nehmen, als andere Leute. Jedoch überwiegen die schönen Momente bei Weitem. In Zukunft sind weitere KostNix-Läden in Graz geplant. Der Fokus soll hierbei vor allem auf behindertengerechte Einrichtung gelegt werden.

Jasmin und Maria*, Studentin und Pensionistin, welche beide die Stadt Graz durch ihre ehrenamtliche Beteiligung zu einem etwas besseren Ort machen. Verdient haben sie den Titel ,Local Hero‘ auf jeden Fall.
*Name von der Redaktion geändert

Autorin, Bildrechte: Cornelia Scheucher